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Biblia Latina

Die „Biblia Latina“ ist das älteste Werk in der Bibliotheca Johannei. Sie wiegt 2.930 g und hat die Maße 30,5 cm x 23,5 cm x 10,5 cm (inklusive ihrer Buchbuckel).  Sie wurde im Jahr 1491 in Basel von Nikolaus Kessler (1445-1519) in einer Auflage von 51 Exemplaren gedruckt.

Die Inkunabel ist in lateinischer Sprache gedruckt und weist zahlreiche Schmuckinitialen auf. Daneben sind manche Buchstaben mitten im Text mit roter Farbe verziert worden. Zu Beginn des Werkes findet sich das Incipit, welches durch die Worte „Incipit epistula beati […]“ leicht erkennbar ist. Die „Biblia Latina“ verfügt nicht über ein Titelblatt. Der Text verläuft zweispaltig in einer Frakturschrift, die Seiten sind nicht nummeriert. Unter den rechten Textspalten auf den recto-Seiten finden sich aber Kustoden zur Lagenzählung. Außerdem weist die Inkunabel handschriftliche Randbemerkungen, sog. Marginalien, auf.

Biblia-Innenansicht

Biblia Latina Fol. Basilea (1491), Sig. XVII 231

Auf der linken Innenseite des Buchdeckels wurde eine farbige Abbildung eines Mannes eingeklebt, der einen Zirkel in der Hand hält. Dieses Instrument galt im Mittelalter als Symbol der Geometrie und Baukunst, wurde aber auch später von den Freimaurern verwendet. Des weiteren sind die Musterklammern zu erkennen, mit denen die Buchbuckel am Buchdeckel befestigt sind. Schließlich wurden handschriftlich die beiden Namen Ferd. Krenen und Hans Rost auf der Buchdeckelinnenseite vermerkt. Mit Hans Rost könnte der 1970 verstorbene deutsche Journalist und Suizidforscher gemeint sein, der 1946 sein Werk „Die Bibel in den ersten Jahrhunderten“ veröffentlichte.

Äußere Verzierungen

Vorderer Buchdeckel mit vier weißen und einem grünen Schmuckstein

Vorderer Buchdeckel mit vier weißen und einem grünen Schmuckstein

Hinterer Buchdeckel mit vier violetten und einem weißen Schmuckstein

Hinterer Buchdeckel mit vier violetten und einem weißen Schmuckstein

Der Einband der Inkunabel ist aus glattem Leder ohne eingeprägte Verzierungen. Stattdessen besitzt sie vorne und hinten auf dem Buchdeckel je fünf Buchbuckel. Diese sollen zum einen den Einband beim Aufschlagen des Buches schützen, indem sie Abstand zum Untergrund gewährleisten. Zum anderen dienen sie der Verzierung. Man spricht auch von einem Prachteinband, da Schmucksteine verwendet wurden. Insgesamt wurde das Buch auf dem Vorder- und Rückendeckel mit zehn Edel- und Halbedelsteinen (u.a. Malachit) in unterschiedlichen Farben verziert. An den Ecken ist der Buchdeckel z.T. abgestoßen.

Der Buchrücken der „Biblia Latina“ weist sechs Bünde auf, die sich in der Mitte des Buchrückens befinden. Der Außenrand der Seiten, der sog. Buchschnitt, ist rot gefärbt. Zum Öffnen und Schließen der Inkunabel gibt es eine breite Metallschließe, die direkt am Buchdeckel befestigt ist.

Eine weitere Auffälligkeit des Werkes ist eine Art Lesezeichen. Dieses wurde auf eine zu markierende Seite geklebt und ist bei geschlossenem Buch durch eine schwarze kleine Kugel, eine Art Affenknoten, am rechten Buchrand erkennbar. Nur eines dieser Lesezeichen ist noch vollständig erhalten. Teilweise sind noch weitere Lesezeichen zu erahnen, da man noch die Einklebungen erkennen kann, hier fehlt dann jedoch die schwarze Kugel.

Restaurierung

Zahlreiche Seiten der „Biblia Latina“ weisen einen Wasserschaden auf, der die sie wellt und dunkel färbt. Der Buchblock ist an seiner Befestigung am Buchdeckel vorne zum Teil eingerissen.

Andere Seiten des Buches wurden ergänzt bzw. erneuert. Sie sind anhand des glänzenden Papiers zu erkennen und daran, dass sie ein- bzw. auf andere Seiten aufgeklebt wurden. Unter einer dieser erneuerten Seiten steht beispielsweise der Vermerk: „Photogr. aus Expl in d. preußi. Staatsbiobl“. Dies lässt darauf schließen, dass die betroffene Seite aus einem Exemplar der preußischen Staatsbibliothek fotografiert wurde. Das Foto wurde in der entsprechenden Größe ausgedruckt und in das Exemplar im Johanneum eingeklebt. So ist die Seite wiederhergestellt worden und lesbar.

Wasserschaden der Biblia Latina

Wasserschaden der Biblia Latina

Wasserzeichen

Am Ende des Werkes – auf der letzten Seite – befindet sich ein Wasserzeichen, das naturgemäß nur bei Gegenlicht erkennbar ist. Wasserzeichen dienen als Herstellermarke und/oder Qualitätsnachweis bzw. Marken- oder Produktionsanzeiger und entstehen als Abdruck der Drahtstrukturen des Schöpfsiebs während der Blattbildung. Sie können zur Datierung bzw. Lokalisierung des Papiers dienen und wurden erstmals im Jahre 1282 nachgewiesen.

Das Wasserzeichen der „Biblia Latina“ ist ein Pro Patria-Wasserzeichen und zeigt den Freiheitslöwen, eine alte holländische Wappenfigur der Oranier, der in seiner rechten Pranke ein Schwert und in der linken Pranke ein Bündel mit sieben Pfeilen hält. Hinter dem Löwen befindet sich eine sitzende weibliche Gestalt mit Helm und einer Stange mit Dreizack in der rechten Hand: die griechische Göttin der Weisheit, des Krieges und des Friedens, Pallas Athene. Ein Palisadenzaun umrandet die beiden. Oben links über diesem Bild steht der Schriftzug „ProPatria“. Das Pro Patria-Wasserzeichen, das auch Hollandia-Wasserzeichen oder „Hollandse Magd“ genannt wird, ist in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und weiteren europäischen Ländern weit verbreitet für Papiere im Folio-Format.

Papierseiten mit rubrizierten Initialien

Papierseiten mit rubrizierten Initialien