Der Begriff Kosmographie, die Wissenschaft von der Beschreibung der Erde und des Weltalls, war vor 400 Jahren insbesondere für geographische Abhandlungen geläufig. So sind auch in der Cosmographia von Sebastian Münster (1488–1552) die Grundlagen aus Geschichte und Geographie, Astronomie und Naturwissenschaften, Landes- und Volkskunde zusammengefasst. Sebastian Münster versuchte mit seinem Werk, erstmals das gesamte Wissen der Erde allgemeinverständlich auf deutsch zu vereinen.

Illustrierte Seite aus der Cosmographia (Signatur: XIII 33 s)
Grundlage für die Cosmographia waren Reiseberichte und Erzählungen von über 100 Gelehrten, Geografen, Kartographen, Seereisenden und Münsters eigene Berichte. Auch literarische Werke und fiktive Berichte gehörten zu Münsters Quellen. Münster sortierte die Berichte nach Glaubwürdigkeit aus. So wurden Fakten zum Teil verfälscht. Ein Beispiel hierfür ist die Beschreibung der Pyramiden in Ägypten. Da Münster sich die wahre Größe der Pyramiden nicht vorstellen konnte, beschrieb er sie viel kleiner. Bekannte Künstler der Zeit wie Hans Holbein, aber auch Münster selbst haben das Werk mit zahlreichen möglichst naturalistischen Illustrationen versehen. Die Holzschnitte und Kupferstiche zeigen Stadtansichten, Porträts und Karten, aber auch Darstellungen von Ungeheuern und Fabeltieren.
Die Lese- und Sensationslust des zeitgenössischen Publikums konnte mit der Cosmographia befriedigt werden. Das Werk verherrlichte mit seinen Beschreibungen und Bildern aber auch das Christentum und vermittelte eine gewisse Überheblichkeit Europas gegenüber fremden Kulturen. Die Cosmographia war eines der beliebtesten Bücher im 16. und 17. Jahrhundert. Sie richtete sich an ein breites Publikum und beschrieb nicht nur Städte und Landschaften, sowie ferne Länder und Erdteile, sondern enthielt auch astronomische Erkenntnisse wie die des Kopernikus, nach der die Erde als Kugel anzusehen ist.


