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Inhalte der Cosmographia

Das eigentliche Werk besteht aus sechs Büchern mit unterschiedlich großem Umfang. Das erste Buch enthält einen Abriss der physischen Erdkunde. Mit Ausführungen über die Gliederung der Erde, in die Teile Europa, Asien und Afrika. Amerika fehlt hier, obwohl die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus schon einige Zeit zurück liegt. Es folgen Erläuterungen zur Flora und Fauna der Erde und ein separates Kapitel mit „wunderbaren Geschöpfe Gottes, so in dem Meer gefunden werden“. Das zweite Buch beschäftigt sich mit der Beschreibung von Süd- und Westeuropa.

Das Umfangreichste und wohl auch wichtigste, dritte Buch beschäftigt sich mit Deutschland. Es beinhaltet geographische und historische Themen und sogar einen Abschnitt zu der derzeitigen politischen Lage Deutschlands und das damals geltende Kirchen- Straf- und Zivilrecht. Einzelne Landschaften wie Schwaben, Franken, Bayern und Hessen werden detailliert beschrieben. Nord und Ostdeutschland werden dagegen nur sehr kurz angerissen. Die Konzentration Münsters auf Deutschland hatte zur Folge dass Jean Bodins der „Cosmographia“ den Spitznamen „Germanographia“ gab.

Illustrierte Seite in der Cosmographia (Signatur: XIII 33 s)

Illustrierte Seite in der Cosmographia (Signatur: XIII 33 s)

Es folgen das vierte Buch über Nord- und Osteuropa, das fünfte Buch über Asien und die neuen Inseln und abschließend das sechste Buch über Afrika. Münster äußert sich in der „Cosmographia unter anderem zu der Ausbreitung der Menschheit und deren Vergänglichkeit. Die „Cosmographia gibt außerdem eine Anleitung zu der richtigen Nutzung eines Kompasses und die Bestimmung der Länge und Breite eines Ortes.

Auf Grund des Erfolges der „Cosmographia“, wurde Münster von Lesern zu kleinen Exkursionen eingeladen und reiste so zum Beispiel nach Augsburg oder zu der Insel Mainau. Die gesammelten Eindrücke finden sich in späteren Ausgaben der „Cosmographiawider. Dennoch ist Münster nur sehr wenig gereist. Bis auf Teile Deutschlands und der Schweiz hat Münster die in der „Cosmographia beschriebenen Länder und Dinge nicht selbst gesehen. So musste Münster, den ihm zur Verfügung stehenden Quellen vertrauen und übernahm viele Berichte und Reiseliteratur ohne Kritik. Daher wird auch die „Neue Welt“ ohne viel Wahrheitsgehalt beschrieben und mehr Wert auf Kuriose Gestalten und Gefährliche Abenteuer gelegt, um die Leser zu unterhalten.

Einige der Textpassagen sind wörtlich aus anderen Schriften, wie zum Beispiel den Werken von Ptolemäus, entlehnt. Mehrfach hat Münster das geistige Eigentum anderer Autoren nicht respektiert und Teile von Schriften übernommen, oder diese ohne die Einwilligung der Autoren drucken lassen. Dies war zu dieser Zeit nicht unüblich. Die „Cosmographia wirkt recht unstrukturiert und erinnert an eine Sammlung und Aneinanderreihung von Quellen. Antike Quellen werden mit Informationen aus jüngster Vergangenheit und den neuen Übersee Expeditionen vermischt. Da Münster sich eher auf antike Quellen statt auf die neuen Informationen von Expeditionen verließ und darauf bedacht war seine Beschreibungen in einem nicht kritischen und theologischen Ton zu verfassen, war die „Cosmographia“ bei Katholiken, sowie Protestanten beliebt.

Nicht nur der Textteil der „Cosmographia“ besitzt Mängel, auch bei den Illustrationen gibt es Kritikpunkte. Die Stiche und Schnitte illustrieren den Inhalt oft nicht ausreichend und wurden mehrfach verwendet. So stellt das Bild eines bärtigen Mannes Karl der Große, Kaiser Friedrich II, oder auch Ludwig von Bayern dar und auch bei den Stadtansichten gibt es Stiche, die gleich mehrere Städte darstellen sollen. Bei Ansichten von Schlachten, Burgen und Schlössern verhält sich dies ähnlich.