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Erstveröffentlichung

Die Herausgabe des Narrenschiffs wurde durch die sich in Basel ausbreitende Pest verzögert. Sie forderte von September 1492 bis März 1493 mehr als 3.000 Opfer. Dies war mehr als ein Viertel der damaligen Stadtbevölkerung.

Albrecht_Dürer,_Sebastian_Brant

Portrait Brants; Zeichnung von Albrecht Dürer

Im Februar 1494 veröffentlichte Sebastian Brant sein Werk schließlich zur alemannischen Fastnacht “uff die Vasenaht”. Der Titel lautete „Daß Narrenschyff ad Narragoniam“.

Zu dieser Zeit war es ungewöhnlich ein Werk erst in deutscher Sprache zu verfassen, da Latein die literarischen Plubikationen dominierte. Die Übersetzung erfolgte erst später. Das Narrenschiff enthält viele umgangssprachliche Formulierungen. In der Erstausgabe finden sich  112 Kapitel. Das Buch war von Anfang an überaus erfolgreich, so dass sofort nachgedruckt wurde. Im selben Jahr 5mal und nachweislich 75mal zwischen 1494 und 1635.

Kritisiert wurde Sebastian Brant, da er inkonsequent mit dem Bild des Narrenschiffs umging. In den Kapiteln ist auch die Rede von Karren-/Schlittenfahrt oder von Tanz bzw. Reigen anstatt des Schiffs. Das Werk wirkt uneinheitlich und nur teilweise durchkomponiert. Man kann den Eindruck von zufällig aneinander gereihten Epigrammen bekommen.

Der Grund für den Erfolg liegt auch an den zahlreichen Illustrationen. Jedes Kapitel wird durch aufwendig erstellte Holzschnitte unterstützt. Zudem traf Sebastian Brant mit seiner Moralsatire direkt den Zeitgeist der Menschen, die ihre Situation als hilflos und krisenhaft empfanden. Er wollte an seine Leser appellieren und die Ordnung wiederherstellen. In einer Zeit geistiger, religiöser Unruhe und Gärung, krisenhaft empfundener Situation, allgemeiner Hilflosigkeit tadelte er. Er sah das Leben der Menschen als einen verkappten Dauernarrenzustand, wenn sie des närrischen Treibens kein Ende fänden. Das Fastnachtskostüm ersetzte dann das Alltagskleid. Der Narr sollte nicht belustigen, sondern hilfsbedürftig und bemitleidenswert erscheinen. Er ist durch Eselsohrenkappe, Schellen, Spiegel, Dudelsack, Marotte (Narrenzepter) oder die Sack-(Pfeife) erkennbar. Sebastian Brant hoffte, dass sich die Leser in seinen Geschichten wieder erkennen und sich spiegeln. Buhlschaft, Tanzen, Habsucht, Modetorheiten, Gewalt, Völlerei, Trunksucht, Reichtum, Aberglaube, Selbstverliebtheit, fehlende Nächstenliebe sind Motive die im Narrenschiff vorkommen. Obwohl das Buch bereits im Mittelalter erschienen ist, sind die Kapitel auch heute noch lesenswert und es ist interessant diese mit der heutigen Zeit zu vergleichen.