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Jenaer Lutherausgabe

Die Wirkung der reformatorischen Schriften Martin Luthers (1483-1545) ist untrennbar verbunden mit der Erfindung des Buchdruckes. Der Buchdruck, um 1450 durch Johannes Gutenberg erfunden, eröffnete neue Möglichkeiten der Kommunikation für Kirche, Universität und im Privatleben. Mehrere tausend Einzeldrucke, aber auch Sammelausgaben, wurden von Martin Luther zu seinen Lebzeiten veröffentlicht. Diese erschienen zahlreich und mit hoher Frequenz, hatten aber meist einen geringen Umfang. Insgesamt werden seine Einzeldrucke und Sammelausgaben auf eine grob geschätzte Gesamtauflage von etwa vier Millionen gedruckten Exemplaren geschätzt.

Wittenberger Lutherausgabe

Mit Unterstützung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen, brachte Luther zwischen 1539 bis 1545 die Wittenberger Ausgabe heraus. Die Wittenberger Ausgabe erschien in zwei Reihen, einer deutschen und einer lateinischen. Die lateinische Ausgabe wurde von Luther widerstrebend gebilligt. Die deutsche Ausgabe besteht aus zwölf und die lateinische aus sieben Bänden. Jeweils im ersten Band beider Ausgaben hat Luther das Vorwort selbst verfasst. Die weiteren Bände wurden von Philipp Melanchthon eingeleitet. An der Wittenberger Ausgabe arbeiteten unter anderem Georg Rörer, Casper Cruciger und Georg Major mit. Nachdrucke erschienen bis ins 17. Jahrhundert dieser Ausgabe.

Jenaer Lutherausgabe

Fotos und Beschreibungen der Jenaer Lutherausgabe der Bibliotheca Johannei

Auch die Jenaer Lutherausgabe erschien auf Veranlassung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Herausgeber waren Johannes Aurifaber und Nikolaus von Amdorf. Sie sollte eine Konkurrenz zur Wittenberger Gesamtausgabe darstellen. Grund hierfür sind innerlutherische Streitigkeiten der Gnesiolutheraner. Die Gnesiolutheraner sind eine Gruppe von Theologen, die sich aus internen protestantischen Lehrstreitigkeiten herausgebildet hatte.

Der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen sah eine Gefahr in der Verfälschung der Texte und Kommentare. Die Jenaer Ausgabe wollte im Gegensatz zur Wittenberger Ausgabe den unverfälschten Luther wiedergeben. Dies äußerte sich durch absichtlichen Verzicht auf Übersetzungen ins Lateinische bzw. Deutsche als auch Texte und Dokumente zur Reformationsgeschichte. Der wichtigste Herausgeber war wie auch bei der Wittenberger Ausgabe, Georg Rörer. Auch wurden weite Teile der Wittenberger Ausgabe übernommen, da die Herausgabe der Jenaer Ausgabe eilte. Ein Kollege von Aurifaber bewirkte eine chronologische Ordnung der geplanten Ausgabe. Ein unveränderter Nachdruck Luthers Schriften wird für die Jenaer Lutherausgabe zur Pflicht gemacht. Keine Übersetzungen sowie Texte anderer Autoren dürfen in der Ausgabe vorhanden sein.

Die erste Auflage der Jenaer Lutherausgabe umfasst 1500 Bände. Es folgten in den Jenaer Druckereien bis 1615 fünf weitere Auflagen. In der Auflagenstärke überholte die Jenaer Ausgabe knapp die Wittenberger. Wobei anzumerken ist, dass bei der Wittenberger Ausgabe nach Bedarf einzelne Bände nachgedruckt werden konnten.