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Sermones Sancti Augustini de tempore

Die InkunabelSermones Sancti Augustini de tempore“ von Aurelius Augustinus (354-430) stammt aus dem Jahr 1495 und gehört zu den ältesten und schönsten Werken des Johanneum-Bestandes. Sie wiegt 2.695 g und hat die Maße 32 cm x 23 cm x 7 cm.

Wie aus dem Explicit hervorgeht, wurde sie von Johann Amerbach (1440-1513) in Basel gedruckt, der als bedeutendster Buchdrucker und Verleger seiner Zeit von humanistischen Wertvorstellungen geprägt war und zahlreiche Folioausgaben lateinischer Bibeln, antiker Klassiker, Werke der Kirchenväter, aber auch Wörterbücher und scholastische Schriften herausgab.

Wie Titel und Erscheinungsjahr vermuten lassen, ist das Werk in lateinischer Sprache gedruckt. Der Text verläuft zweispaltig in Frakturschrift, die Seiten sind nicht nummeriert, es ist also keine Seitenzählung vorhanden. Es ist aber eine Lagenzählung zu finden; die sog. Kustoden – aus einer Buchstaben-Zahlen-Kombination bestehend – befinden sich unten rechts auf den jeweiligen recto-Seiten. Auch gedruckte Randbemerkungen am äußeren Seitenrand, sog. Marginalien, wie „Matth. 13.“ sind vorhanden.

Die Rückseite des Titelblattes zeigt ein Bild. Hier wird u.a. ein von zwei Pfeilen durchstoßenes Herz in einer Schriftumrandung gezeigt. Neben einem Adler und einer Krone sieht man auch zwei kniende Mönche in Gebetshaltung. Rechts und links am Bildrand befinden sich Säulen, die durch einen verzierten Bogen oben miteinander verbunden sind. Im Hintergrund sind zahlreiche Bücher zu sehen. Auf zwei Bannern wie auch unten am Bildrand finden sich lateinische Schriftzüge.

Aufgeschlagene "Sermones Sancti Augustini de tempore" mit zweispaltigem Text und Marginalien

Aufgeschlagene "Sermones Sancti Augustini de tempore" mit zweispaltigem Text und Marginalien

Äußere Verzierungen

Der Holzdeckel mit hellem Schweinsledereinband ist mit einer sog. Blindprägung verziert. Das bedeutet, dass die verzierenden Ornamente ohne Farbe oder Gold in den Buchdeckel einprägt wurden. Man spricht auch von Blinddruck oder Blindpressung. Die Rückseite weist mit Rauten andere Muster auf als die Vorderseite. Zum Teil sind kleine dunkle Einkerbungen auf dem äußeren und inneren Buchdeckel zu erkennen, die möglicherweise von der Auslagerung während des Zweiten Weltkrieges stammen. Der Buchrücken wird  von sechs Bünden verziert, die über den gesamten Buchrücken verteilt sind. Kleine Papier-Überreste lassen auf ein ehemals vorhandenes Titeltikett, ein sog. Rückenschild bzw. Rückentitel, schließen.

Verschlossen wird das Werk durch zwei schmale Metallschließen an Lederbändern. Diese dienen u.a. dem Schutz des Buches. Da die Schließen einen konstanten Druck auf den Buchblock ausüben, verhindern sie, dass sich die Buchseiten bei zu hoher Luftfeuchtigkeit wellen.

Augustinus-Einband

Sermones Sancti Augustini de tempore (1495) mit Blindprägung des Buchdeckels und Metallschließen

Weg in die Bibliotheca Johannei

Die Inkunabel befindet sich seit 1972 in der Bibliotheca Johannei. Wie sie in den Besitz des Johanneums gelangte, ist jedoch unklar. Im Zugangs-Verzeichnis der Hauptbibliothek der Gelehrtenschule des Johanneums ist bei der Zugangsnummer der Inkunabel 20290 hinter der Jahreszahl 1972 „W-T“ vermerkt. Dies könnte ein Hinweis auf die Weber-Tietjens-Stiftung sein. Diese unterstützt die Schule finanziell und fördert die Anschaffung von Lehrmaterial aller Fächer bis auf Sport. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Inkunabel über die Weber-Tietjens-Stiftung ins Johanneum gelangte. Diese Notiz wurde allerdings durchgestrichen und durch „Joh“ ersetzt. Das wirft wiederum Rätsel auf, sodass bis heute nicht eindeutig gesagt werden kann, wie diese Inkunabel ihren Weg in die Bibliotheca Johannei fand.

Für das Werk wurde eine Buchpatenschaft übernommen. So konnte die Restauration bei der Preservation Academy GmbH in Leipzig finanziert werden. Bei der Restaurierung wurde u.a. der Buchrücken mit Schweinsleder ergänzt und die Schließen erneuert.

Sermones Sancti Augustini de tempore (1495), Sig. XII 38 w

Sermones Sancti Augustini de tempore (1495), Sig. XII 38 w