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Grandville’s Bilder

Grandville’s Bilder aus dem Staats- und Familienleben

aus "Grandville's Bilder aus dem Staats- und Familienleben der Thiere" Bd. 1 von A. Diezmann

"Grandville's Bilder aus dem Staats- und Familienleben der Thiere" Bd. 1 von A. Diezmann

Die Fabel „Grandville’s Bilder aus dem Staats- und Familienleben“ wurde 1846 von Dr. A. Diezmann herausgegeben. Dabei ist der Illustrator, der französische Zeichner Jean Ignace Isidore Gérard, besser bekannt als Grandville. Die Bibliothek des Johanneum besitzt die Originalfassung in zwei Bänden. Das Werk hat die Signatur XXVI 134 K1 und K2.

Johann August Diezmann wurde 1805 in Sachsen geboren und verstarb 1869 bei Chemnitz. Er studierte Medizin und Naturwissenschaften und wurde daher oft mit einem Doktortitel geschrieben, wobei es nicht klar ist, ob er diesen besaß. Schon während seines Studiums beschäftigte sich Diezmann mit journalistischem Schreiben und gab später viele bekannte Schriften heraus.

Der französische Zeichner Jean Ignace Isidore Gérard wurde 1803 in Nancy geboren und verstarb 1847 bei Paris. Der Künstlername Grandville wurde schon seit zwei Generationen weitergegeben. Er erlernte die Kunst durch seinen Vater, der auch Miniaturmaler war. Selbst brachte sich Grandville die Lithografie bei, verwendete sie später jedoch nur noch selten.

Revolution der Thiere

Revolution der Tiere

Grandville wurde bekannt durch seine satirischen Zeichnungen, die u.a. in der  Zeitschrift „La Caricature“ veröffentlicht wurden. Zudem illustrierte er klassische und zeitgenössische Literatur, ein Beispiel dafür ist die französische Ausgabe von „Gullivers Reisen“ von Jonathan Swift (1883).

Viele seiner Motive zeigen Tiere, sowie vermenschlichte Tiere. Zu diesen Werken gehört auch die Fabel „Bilder aus dem Leben der Thiere“. Dieses, eines seiner Hauptwerke, entstand von 1840 bis 1842 mit dem Originaltitel „Scènes de la vie privée et public des animaux“ und ist eine Satire auf die herrschenden politischen Verhältnisse mit anonymen Beiträgen bekannter Schriftsteller.  1846 wurde die Satire von Diezmann ins Deutsche übersetzt. Der erste Band handelt über die Tierversammlung, während der zweite Teil das Leben der Tiere darstellt.

Eine Leseprobe:

„So weit waren die Herrn, als die Thür unten in Stücke flog: der Elephant klopfte an. Da fiel die Feder aus der Hand des Herrn Papagei und seine Augen schlossen sich als wenn er schlafen wollte, aber daran dachte er nicht.
Der Herr Affe lief ans Fenster.
„Was siehst Du?“ fragte ihn der Hahn.
„Ich sehe Unruhe auf Unruhe, Auflauf auf Auflauf, Complot auf Complot,“ antwortete der Affe, indem er die Arme wie ein Affe sinken ließ, der nichts mehr hofft und der es recht gern sähe, wenn er geschwind weit weg wäre.
„Fünfmalhunderttausend Teufel, wir weichen der Gewalt nicht!“ rief der muthige Hahn, welcher vor Zorn zitterte.
„Wem sonst wollen wir weichen als der Gewalt?“ entgegnete der Affe, der sich in seiner Verzweiflung den Bart ausraufte und das Gesicht zerkratzte.
„Was?“ rief der Hahn aus, indem er ihn am Kragen packte, „Du wolltest so feig fein abzutreten?“
„Daran zweifelt nicht,“ antwortete der Affe, der so weiß wurde wie dies Papier; „wer das verweigert, was alle verlangen, stört in ein Wespennest. Wenn man mich zwingt, thue ich alles, was man haben will; ich…“
Weiter konnte er nicht reden. Die Thür des Bureaus wurde aufgerisssen. Der Elephant hatte sie geöffnet und der Fuchs trat herein. „Verhaftet diese Herrn,“ sagte er zu den zwei Doggen, die ihn begleiteten, in dem er auf die drei Redactoren zeigte. Der Papagei saß auf dem Kamine, der Affe hatte sich unter seinem Stuhle versteckt und der Hahn war wüthend. Sein Kamm hat nie so roth ausgesehen als an diesem Tage. Man nahm sie alle drei fest.“
(Diezmann 1846, S. 227)

"Keine Gnade für die Verräther[...]"

"Keine Gnade für die Verräther" "Granville's Bilder aus dem Staats- und Familienleben der Thiere" Diezmann