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20. Jahrhundert

Ein erneuter Umzug
1914 zog die Gelehrtenschule des Johanneums in das von Fritz Schumacher geplante Gebäude in der Maria-Louisen Straße. Die Hauptbibliothek befindet sich im zweiten Stock des Nordflügels und umfasst dort zwei Etagen. Der Vorraum der Bibliothek bietet Raum für die Kartothek, einen Platz für die Abwicklung der Ausleihe und das Arbeitszimmer des Bibliothekverwalters.

Im Jahre 1925 wurde die Bibliothek von Prof. Struck verwaltet. Für die Schüler gab es keinen Zwang, diese zu nutzen, sie kamen aber freiwillig gerne in die Bibliothek, wie dieses Zitat zeigt: „Doch hat sich dieselbe [die Bibliothek] als praktisch und segensreich erwiesen, zumal die Möglichkeit besteht, eine größere Zahl von Freiexemplaren zu vergeben.“ Die Bibliothek und die speziellen Sammlungen aus den Bereichen Physik, Chemie, Biologie und die Lehrmittel wurden durch zur Verfügung stehende Geldmittel und Geschenke laufend erweitert.

Das 400-jährige Bestehen der Schule und der Bibliothek
1929 feiert die Gelehrtenschule des Johanneums ihr 400-jähriges Bestehen. Die Hauptbibliothek beteiligte sich an den Feierlichkeiten mit einer Ausstellung historischer Bestände. „In Raum 10 und 11 liegen auf Tischen Bücher und Dokumente zur Schulgeschichte aus. Die ältesten Handschriften sind einige alte Testamente aus dem 16. und 17. Jahrhundert. […] Auf den Tischen liegen wertvolle Handschriften […]. Die ausgestellten Bücher sind teils Schulbesitz, teils Leihgaben des Staatsarchivs […].“ Der Bibliothekar Dr. Erdmann Struck äußert sich folgendermaßen zum Bibliotheksbestand: „Sie enthält nicht so erwürdige Schätze, wie man es bei einer 400 Jahre alten Schule erwarten sollte.“ Während der Ausstellungszeit war die Bibliothek für alle Interessierten geöffnet, Primaner gaben bei Fragen Auskunft.
Geschenke zum Jubiläum an die Bibliothek waren unter anderem Jubiläumsausgaben, gesammelte Werke von Schumacher und Stiftungen von ehemaligen Schülern und Freunden der Gelehrtenschule, der Universität Hamburg und der Staatsbibliothek. Diese Bücher ergänzten und erweiterten den Bestand der Bibliothek.

Im Januar 1930 wird über dem Eingang zur Hauptbibliothek eine Tafel mit der Inschrift „Bibliotheca Scholae St. Johannis“ aufgehängt.

Nationalsozialismus und Kriegsschäden

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 ging nicht spurlos an der Bibliothek vorüber.  So wurde beispielsweise im März 1934 eine sog. ‚familienkundliche‘ Ausstellung gezeigt. In einem zu dieser Ausstellung verfassten Artikel heißt es, dass „Verpflichtung zur Reinhaltung  der Rasse und Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber den kommenden Geschlechtern […] Ziel und Sinn der Familien- und Sippenforschung“ seien. Die Bibliothek beteiligte sich mit Exponaten aus ihrem vorhandenen Bestand, der aus diesem Anlass um Werke zur ‚Erblehre‘ und ‚Rassenpflege‘ erweitert wurde.

Im Juli 1943 wurde dann auch das Johanneum von einem Bombenangriff getroffen. Der damalige Schulleiter Zindler berichtet folgendes über die Ausmaße der Zerstörung: „Das Westende des Nordflügels gleichfalls ausgebrannt, und die darunter   liegende Hauptbücherei mit ihren unersetzlichen Werten aufs äußerste gefährdet. Gerettet hat die Bücherei schließlich die Betonumkleidung, die unter den Dachsparren gezogen war.“ Wie dem Bericht zu entnehmen ist, war die Bibliothek nicht direkt von den Zerstörungen betroffen. Die Brände, die durch den Bombeneinschlag entstanden sind, mussten aber gelöscht werden. Löschwasser und eindringendes Regenwasser, durch das über der Bibliothek zerstörte Dach, wurden zur Gefahr für die Bücher. Bei Aufräumungsarbeiten nach dem Bombeneinschlag, wurde versucht die Bücher zu trocknen. Nach einer notdürftigen Reparatur konnte weiteres Eindringen von Regenwasser verhindert werden. Nach diesem schweren Luftangriff auf Hamburg wurden Teile des Bestandes der Hauptbibliothek in einen Bunker in Hamburg-Hamm ausgelagert.

Nachkriegsjahre

Nach dem Krieg war das Schulgebäude durch die britische Besatzung beschlagnahmt. Die Räume der Bibliothek wurden so belassen, wie sie zum Ende des Krieges aussahen und von einem britischen Offizier vor Einbruch und Diebstahl geschützt.

Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, die durch den zweiten Weltkrieg große Verluste ihres Bestandes zu verzeichnen hatte, trat an das Johanneum mit der Bitte heran, als Ausgleich wertvolle Drucke aus der Johanneumsbibliothek zu erhalten. Abgesehen von der umfassenden Sammlung an Schulprogrammen, deren Exemplare die Staats- und Universitätsbibliothek bekam,  hielt das Johanneum jedoch an seinem Altbestand fest.

Im Hamburger Bibliotheksführer von 1949 wird der Bestand der alten Hauptbibliothek mit 33.000 Bänden angegeben. Die Öffnungszeit war Montag von 9 bis 12 Uhr oder während der Unterrichtspausen. Als Nutzergruppe wurden Hamburger Lehrer und Studenten angegeben.

Weitere Entwicklung

In den Folgejahren wurde der Bestand mit neuen und antiquarischen Büchern nur geringfügig erweitert. Anfang der 1960er Jahre erwarb die Bibliothek die historischen Werke von Albertus Krantzius aus dem Jahr 1590. Diese Neuerwerbungen wurden überwiegend aus Spenden finanziert. Auch Schenkungen gingen weiterhin an die Bibliothek, beispielsweise die große Sophienausgabe von Goethes Werken vom ehemaligen Hamburger Bürgermeister Dr. Kurt Sieveking.

Ende der 1970er Jahre gab es am Johanneum neben der alten Hauptbibliothek, noch eine Schüler-Leihbibliothek und die Schulbücher-Leihbibliothek, des weiteren noch mehrere in den jeweiligen Fachräumen untergebrachten kleinen Büchersammlungen. Der Gesamtbestand umfasste nunmehr rd. 40.000 Bände. Im Vorraum der alten Hauptbibliothek, in dem auch ein kleiner Präsenzbestand aufgebaut war, konnten ca. 10 Personen zur gleichen Zeit arbeiten. Hauptnutzer der Bibliothek waren weiterhin Schüler und Lehrer des Johanneums. Die Vorräume der Bibliothek waren bei den Schülern beliebte Aufenthaltsorte, um zu entspannen, sich auf den Unterricht vorzubereiten oder soziale Kontakte zu pflegen.