Skip to content

Ullrich und das Johanneum

Ullrich wurde am 17. Juli 1823 in sein Amt als lehrender Professor der Gelehrtenschule eingeführt. In verschiedenen Schriften wird er nicht nur als gründlicher Philologe, sondern auch als origineller Lehrer gerühmt, der die klassische Literatur zu einem lebendigen und anregenden Unterricht nutzte. Dennoch hatte es Ullrich aufgrund seiner preußischen Prägung und seines aristokratischen Auftretens (so ließ er sich beispielsweise von seinem Livreediener oft die Schulhefte in die Klasse tragen) anfangs schwer im aufgeklärten Hamburg. Er unterrichtete nach dem neuhumanistischen Konzept von Friedrich August Wolf und war überzeugt, dass die Altphilologie nicht dazu diene, die Schüler konkret auf einen Beruf vorzubereiten, sondern „die seelischen Kräfte des jungen Menschen zu schöpferischer Selbsttätigkeit anzuregen“. Neben dem Erwerb der sprachlichen Kenntnisse führte er seine Schüler auch in das Denken und Wirken der antiken Dichter und Historiker ein.

thukydidesUllrich war vielseitig gebildet. Neben den alten Sprachen hatte er auch Kenntnisse in Hebräisch und Sanskrit und interessierte sich für Geschichte und Literatur. Während seiner Laufbahn am Johanneum veröffentlichte Ullrich in den Schulprogrammen zahlreiche publizistische Beiträge. Angefangen mit dem 1832 herausgegebenen „Quaestiones Aristophaneae“ und der 1838 erschienenen Abhandlung über das „Megarische Psephisma“ stellte er noch weitere bedeutende Beiträge „Zur Kritik und Erklärung des Thukydides“ bis hin zu Schriften über die „Hellenischen Kriege“ ins Schulprogramm ein. Seine Gelehrsamkeit war auch über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt, so dass er im Jahre 1855 auf der in Hamburg veranstalteten Philologenversammlung als  Thukydidesforscher geehrt wurde.

Als der Schulleiter Gurlitt 1827 aus dem Amt schied, bewarb sich Ullrich auf dessen Nachfolge. Aufgrund seiner guten wissenschaftlichen Ausbildung, seines Lehrgeschicks und seiner heraugehobenen gesellschaftlichen Stellung rechnete er sich gute Chancen aus. Der Vorsitzende des Scholarchats, der Senator Abendroth, befand jedoch, dass Ullrich „eine Einseitigkeit bei der Schulführung befürchten ließ“ und drängte die anderen Scholarchen, Ullrich als Kandidaten abzulehnen. Am 26. Juli 1827, dem Tag der Abstimmung, wurden hauptsächlich auswärtige Direktoren in die engere Auswahl berufen. Ullrich erhielt nur eine einzige Stimme. Nach dieser Enttäuschung bewarb sich Ullrich im Jahr 1830 um die Leitungsstelle des Katharineums in Lübeck. Auch dieses Mal wieder ohne Erfolg  blieb er so letztendlich Hamburg und dem Johanneum treu.

Als Ullrich am 13.03.1869 nach 46 Jahren Schullaufbahn in den Ruhestand ging, gab es zahlreiche Nachrufe auf den hochgeschätzten Professor Franz Wolfgang Adam Ullrich. Und es wurde ein Bildnis von dem geschätzten Professor gefertigt, das noch heute im Johanneum hängt. An seinem 85. Geburtstag, also dem 21. Februar 1880, starb Ullrich nach längerem Leiden und wurde am 24. Februar in Hamburg bestattet. Angesichts der engen Verbundenheit zur Schule stiftete sein Sohn Wilhelm Ullrich nach dem Tod seines Vaters der Johanneumsbibliothek rund 7.000 philologische und philosophische Werke aus dessen Nachlass, darunter mehrere wertvolle Erstausgaben.

Eine Abhandlung über die Abstimmung in Megara

Das megarische Psephisma oder die nächste Veranlassung des peleponnesischen Krieges (1838)