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Papier

Schon die ältesten Bücher im Johanneum wie die Biblia Latina von 1491 wurden auf sog. Hadernpapier, das aus Lumpen besteht, gedruckt, das an einigen Stellen gut erkennbar ausgebessert wurde. Bei den Komödien von Plautus aus dem Jahr 1558 (Sig. II 290m) wurde altes, bereits beschriebenes Papier verwendet, um die Buchdeckel vorne und hinten zu verstärken. Dieses Papier ist vermutlich älter als die Entstehungszeit des Buches. Da ganze Textpassagen erhalten geblieben sind, kann man durch solche Wiederverwendungen des kostbaren Materials auch wertvolle Fragmente entdecken.

Papierfragment im Buchdeckel der Komödien des Plautus von 1558

Papierfragment im Buchdeckel der Komödien des Plautus von 1558

Ausgebesserte Papierseite der lateinischen Bibel

Ausgebesserte Papierseite der lateinischen Bibel

Traditionelle Papierherstellung

Als erstes muss der Rohstoff (z.B. Lumpen) zu Einzelfasern zerstampft oder zerschnitten werden. Der Faserbrei wird in der Bütte mit Wasser verrührt, aus der anschließend mit einem Sieb ein Blatt geschöpft wird. Das noch feuchte Blatt wird auf einem Stück Filz abgegautscht und anschließend geleimt. Nachdem es gepresst wurde, kann es zum Trocknen aufgehängt und anschießend benutzt werden. Wasserzeichen entstehen durch eine aus Draht gefertigte Figur, die in das Schöpfsieb gelegt wird und sich im Papier abdrückt.


Geschichte der Papierherstellung

Das erste Papier in China wurde aus Seidenabfällen hergestellt, was jedoch zu teuer war, so dass man sich auf die Suche, nach anderen geeigneten Materialien machte. In der Han-Dynastie (202 v. Chr. – 220 n. Chr.) wurden Fasern des Papiermaulbeerbaums, Bambus, oder Hanfs verwendet. Seit dem 4. Jh. wurden auch Kleiderlumpen zur Papierherstellung benutzt. Das Papier erreichte im 6. Jh. Korea, von wo aus es im 7. Jh. nach Japan kam. Im 8. Jh. gelangte es in den arabischer Raum, wo die Herstellung aus Lumpen professionalisiert wurde. Im 10. Jh. erreicht es Damaskus und Kairo, im 12. Jh. Spanien. Unter Kaiser Friedrich II wurde das Verbot, Urkunden und Erlasse auf Papier zu schreiben erlassen, da man dem neuen Beschreibstoff nicht vertraute. 1230/40 gibt es Papiermacher in Italien, die ihre Erzeugnisse in Europa verbreiten. So befindet sich auch die älteste deutsche Papierhandschrift von 1246 auf italienischem Papier. Auch das erste belegte Wasserzeichen stammt aus Italien 1282. Ende des 13. Jh.s wurde der neuer Beschreibstoff verbessert, in dem er durch Leimen tintenfest gemacht wurde.

1390 entstand die erste deutsche Papiermühle (Gleismühl) unter Ulman Stromer in Nürnberg. Doch noch im 14. Jh. wurde Papier nur für Konzepte, nicht aber für Urkunden genutzt. Erst ab dem 15. Jh. konnte es sich gegenüber den anderen Beschreibstoffen durchsetzen, da es am billigsten war, eine bessere Biegsamkeit aufwies und sparsamer im Gebrauch war. Seit Mitte des 15. bis Mitte des 19. Jhs. gab es eine Krise in der Papierwirtschaft, da es zu wenig Lumpen zur Herstellung gab. 1774 wurde die erste Ideen zur Verwendung von Altpapier zur Herstellung von neuem Papier entwickelt. Das erste nicht aus Lumpen gefertigte Papier, das 1784 zur Herstellung eines Buches verwendet wurde bestand aus Gras. 1789 begann man Papier unter Verwendung von Chlor zu bleichen.

Den ersten großen Schritt zur Automatisierung des Papierherstellungsprozesses machte 1799 Nicolas Louis Robert durch die Erfindung der Langsiebpapiermaschine. Die erste betriebsfertige Papiermaschine stammte jedoch von Bryan Donkin um 1805. 1840 wurde die Herstellung von Papier aus Holzschliff durch Friedrich Gottlob Keller entwickelt. Damit war der erste Schritt zur Überwindung der Lumpenkrise gemacht. 1851 konnte Zellstoff zur Papierherstellung gewonnen werden. Dieser bildet noch heute die Grundlage für die industriell gefertigten Papiere. (Hugh Burgess und Charles Watt). Seit 1938 werden Papiere in Deutschland in DIN-Formaten hergestellt.