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Pergament

Pergament, das aus ungegerbten Tierhäuten besteht, lässt sich nicht als Beschreibstoff in der alten Hauptbibliothek finden, da dort nur Druckwerke vorhanden sind und sich Pergament nicht so gut zum Drucken eignet wie Papier. Man kann jedoch einige Bücher finden, deren Einband mit Pergament überzogen ist. Wie auf dem Foto zu erkennen, sind diese im Gegensatz zu Leder meist äußerlich unscheinbar. Die meisten sind von einer grauen Farbe und weder geprägt noch sonst irgendwie verziert.

Das Werk von Clemens Alexandrius „Clementis Alexandrini opera“ überarbeitet von Danielis Heinsii, gesammelt und herausgegeben von Friderico Sylborgio 1688 in Köln ist  in griechischer und lateinischer Sprache geschrieben und im Johanneum unter der Signatur I 132  in der Bestandsgruppe Griechisch zu finden. Dort, aber auch in anderen Bestandsgruppen, lassen sich weitere in Pergament gebundene Bücher entdecken.

Pergamentband von 1688

Pergamentband von 1688

Erste Dokumente berichten von der Benutzung von Pergament bereits um 2000 v. Chr. Der Name ist abgeleitet von der Stadt Pergamon in der Türkei, damals Griechenland. König Eumenes II soll es im 2. Jh. v. Chr. erfunden haben, als der Pharao von Ägypten ein Exportverbot über das Papyrus verhangen hatte. Der Name „Pergament“ wurde erst im 4. Jh. n. Chr. eingeführt. Zuvor wurde es benannt als „Membrana“ im Lateinischen oder „Diphtera“ im Griechischen. Im 2. Jh. n.Chr. erreicht es Rom. Dort und in Griechenland nutzte man es als Rollen, ähnlich dem Papyrus.

Der Wechsel von Papyrus zu Pergament vollzog sich in Westeuropa gegen Ende des 7. Jh. Pergament hat sich im Zuge der Christianisierung in ganz Nord-West Europa ausgebreitet und wurde zum wichtigsten Beschreibstoff, bis es vom Papier abgelöst wurde. Pergament ist zwar teurer als Papyrus, jedoch besonders haltbar, allerdings empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen. Spezialisten treffen eine Unterscheidung zwischen insularem Pergament (Irland, Großbritannien), das dick und aufgeraut ist und kontinentalem Pergament, das dünn und glatt ist. In der französischen Sorbonne-Universität werden sogar 2 Pergamente aus Menschenhaut aufbewahrt. Pergament ist wiederbeschreibbar, wenn die Oberfläche abgeschabt wird. Ist der Originaltext noch zu erkennen, spricht man von einem Palimpsest. Da es sich bei Pergament um ungegerbte Tierhaut handelt, unterscheidet man Haar- und Fleischseite, da die Haarseite etwas dunkler ist als die Fleischseite, wurde beim Heften darauf geachtet, dass immer zwei Haar-, bzw. zwei Fleischseiten sich gegenüber liegen, damit man den Farbunterschied nicht sieht.

Pergamentherstellung im Kupferstich des 17. Jh. (Ledermuseum Offenbach)

Pergamentherstellung im Kupferstich des 17. Jh. (Ledermuseum Offenbach)

Zur Herstellung wird die Tierhaut zunächst von allen Haar- und Fleischresten befreit. Anschließend wird sie mit Kalkwasser behandelt und zum Trocknen auf einen Holzrahmen gespannt. Mit einem Bimsstein werden sie entstandenen Pergamente glättet und zum Schluss mit Kreide geweißt. Als wertvollstes Pergament gilt das von ungeborenen Lämmern, genannt Jungfernpergament.