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Aufklärung

Die Aufklärung gilt als das Jahrhundert der Enzyklopädien. Eine wichtige Enzyklopädie der Frühaufklärung ist das „Dictionnaire historique et critique“ von Pierre Bayle, das auf dem Werk von Moréri gründet und im Jahr 1697 in zwei Bänden veröffentlicht wurde. Sie wird in der Literatur oft als Anti-Enzyklopädie bezeichnet, da sie das Wissen der Zeit nicht als Fakten darstellt, sondern diskutiert. Zu jedem Thema werden von Bayle  Thesen und Antithesen aufgestellt, die er auch wissenschaftlich überprüfbar anhand von Fußnoten belegt. Wegen seiner kritischen Sicht gegenüber der katholischen Kirche wurde das Werk kurz nach Erscheinen von der Zensur verboten. Trotz dieses Verbots wurde das Werk gelesen und galt als „Bibel der Frühaufklärung“ (Kleine Geschichte Großer Lexika 1990, S. 41). Die Enzyklopädie erschien nicht nur in mehreren Ausgaben, sondern auch in verschiedenen Sprachen, u.a. auf deutsch. Von 1741 bis 1744 publizierte Johann Gottsched eine mit Kommentaren versehene deutsche Übersetzung .

Aber nicht nur in Frankreich wurde Enzyklopädie-Geschichte geschrieben. In Deutschland wurde in den Jahren 1732 bis 1750 das von Johann Heinrich Zedler verlegte Werk „Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste“ in 64 Bänden veröffentlicht. Die lange Erscheinungsperiode war durch die Klärung der Druckprivilegien bedingt. Ein weiteres bedeutendes Werk in deutscher Sprache veröffentlichte Johannes Hübner im Jahr 1704, das „Reale Staats- und Zeitungs-Lexicon“, das in der 3. Auflage von 1708 erstmals den Zusatz „Konversationslexikon“ erhielt.

Die Enzyklopädie von Diderot  (Ausgabe von 1722)

Enzyklopädie von Diderot

Die Enzyklopädie, wie wir sie heute kennen, entstand durch Denis Diderot (1713-1784) und erschien erstmals 1751 in Paris. Der Vorläufer seines Werkes ist das zweibändige Werk „Cyclopaedia“ von Ephraim Chambers von 1728. Zu Beginn war nur geplant, dass Diderot im Auftrag von Breton  die Enzyklopädie des Briten Chambers ins Französische übersetzt. Gemeinsam mit Jean le Rond d’Alembert veränderte er diese aber, da es eine ziemlich willkürliche und ungeordnete Sammlung von Beiträgen war. Als Vorlage nutzte er das Werk von Francis Bacon „De dignitate et augmentis scientiarum“. Diderot benötigte die Hilfe von d’Alembert, um wichtige Mitglieder der „Französischen Akademie der Wissenschaften“ und damit auch die literarisch einflussreichsten Aufklärer zur Mitarbeit zu gewinnen. Im 18. Jahrhundert war bereits ein hoher Stand der Wissenschaft erreicht und dieser sollte festgehalten bzw. dokumentiert werden. Die „Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ beinhaltet unter anderem Artikel über Musik, Naturwissenschaften, Medizin,  Mathematik, Technik, Handwerk und Manufaktur, widmet sich aber auch Fragen der Dogmatik und des Kirchenrechts, die durch Theologen bearbeitet wurden. Andere namhafte Autoren waren zum Beispiel Voltaire, Rousseau, Holbach oder Chevalier de Jaucourt. Auch Diderot selbst verfasste einige Artikel zu verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten. D’Alembert hingegen befasste sich überwiegend mit der Mathematik.

Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers

Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers (Ausgabe von 1772)

Während der Aufklärung entstand auch die englischsprachige „Encyclopædia Britannica“, die erstmals von 1768 bis 1771 in drei Bänden herausgegeben wurde. Sie war ein eher konservatives Werk mit dem Ziel, das Wissen in großer Vollständigket sowie Tiefe darzustellen. Bis heute gilt es aus wissenschaftlicher Sicht als eines der Werke mit den zuverlässigsten Angaben. In der „Britannica“, wie sie umgangssprachlich auch heißt, wird bei einigen Artikeln sogar die Urheberschaft namhafter Personen angegeben. Das Werk ist im Johanneum nur in einer modernen Ausgabe von 2007 vorhanden.