Skip to content

Inkunabel

Um 1450 wurde der Buchdruck mit beweglichen Lettern von Johannes Gutenberg erfunden. Schriften, die zwischen 1450 und 1500 mit eben solchen Lettern gedruckt wurden, nennt man Inkunabeln. Sie wurden von einem namentlich genannten Drucker produziert, der sie auch vertrieb.

Der Begriff Inkunabel geht auf das lateinische Wort incunabula zurück, das Windel oder Wiege bedeutet. Man spricht daher auch von Wiegendrucken, da der Buchdruck zu dieser Zeit noch in der Wiege lag.

Das normale Volk war zunächst kaum in der Lage, die in vergleichsweise kleiner Auflage von 200 bis 250 Stück hergestellten Druckwerke zu kaufen. Diese waren schlichtweg zu teuer. Das Gewerbe stützte sich daher zu Beginn vor allem auf kirchliche Großaufträge, wie z.B. Messbücher.

Verfasser und andere Mitwirkende wurden meist im sog. Incipit, einer kurzen häufig farbig hervorgehobenen Eingangsformel, genannt.  Der Drucker platzierte am Ende einer Inkunabel meist als Explicit bzw. Schlussformel, das sog. Kolophon. Dieses kann Informationen über Ort, Zeit, Hersteller und Auftraggeber des Werkes enthalten. Auf der letzten Seite einer Inkunabel ist meist auch die Druckermarke zu finden. Druckermarken zeigen Wappen, Symbole oder Heilige und wurden durch Metall- oder Holzschnitt erstellt. Eine Druckermarke wird auch Druckerzeichen, Druckersignete oder Verlagssignete genannt.

Da Inkunabeln vom Erscheinungsbild mittelalterlicher Handschriften geprägt waren, wurden die Initialen meist nicht gedruckt, sondern im Nachhinein per Hand gemalt. Auch Versalien – Großbuchstaben – wurden zum Teil manuell nachgetragen. Häufig wurde gedruckter Text später per Hand in Rot (und Blau) geschmückt.

In Deutschland gibt es etwa 125.000 Inkunabeln. Die Bibliothek des Johanneums besitzt zwei dieser Wiegendrucke. Sie stammen aus den Jahren 1491 und 1495.