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Streitschrift

Die literarische Textform Streitschrift ist ein Medium der Kontroverse, das mit Provokation und Übertreibung bis hin zu Beleidigungen arbeitet. Im Zusammenhang mit Streitschriften spricht man auch oft von Polemik.

In der Zeit der Reformation wurden Streitschriften vielfach verwendet, waren aber noch bis ins 18. Jahrhundert die Norm für schriftlich ausgetragene Dispute und traten vereinzelt sogar noch bis ins 19. Jahrhundert auf. Neben der Theologie und Politik wurden sie bisweilen auch für literarische oder ökonomische Themen genutzt.

Ein Merkmal von Streitschriften ist das Punkt-für-Punkt-Verfahren. Das heißt, jeder neue Gedanke wurde in einem gesonderten Punkt abgehandelt, bevor ein neuer Gedanke aufgegriffen wurde. Genauso musste auch der Antwortende an der Reihenfolge festhalten und durfte keinen Punkt unbeantwortet lassen. Das führte oft zu sehr langen Ausführungen und bisweilen sehr umständlichen und unverständlichen Argumentationsketten. Auch fühlten sich die Kontrahenten genötigt, Streitschriften stets möglichst exakt und lückenlos zu erwidern.

Im Jahre 1697 allerdings verweigerte sich der deutsche Theologe Philipp Jacob Spener (1635-1705) dem Zwang zur Beantwortung einer Streitschrift, die über 1000 Seiten umfasste. Auch der bekannte Pietist August Hermann Francke (1663-1727), der den Franckeschen Stiftungen in Halle ihren Namen gab, widersetzte sich der landläufigen Meinung, dass in einer Streitschrift jeder Punkt des Widersachers exakt und lückenlos aufzugreifen sei: „Wozu helfen denn die Apologien / wenn man keine Verantwortung wil gelten lassen / ob man gleich nichts tüchtiges darwieder auffzubringen hat?

Verwandte Begriffe und Schriftformen
Fragmentenstreit

Nachträge zu der Beurtheilung der Börne'schen Briefe aus Paris von Eduard Meyer an Ludwig Börne (1832)

Streitschrift: Nachträge zu der Beurtheilung der Börne'schen Briefe aus Paris von Eduard Meyer an Ludwig Börne (1832), Sign. Signatur: III 70 f 1