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Fragmentenstreit

Der sog. Fragmentenstreit ist eine theologische Kontroverse, die sich im 18. Jh. abspielte. Es begann mit einer Schrift des Hamburger Gymnasialprofessors Hermann Samuel Reimarus, der 1694 in der Hansestadt zur Welt kam und am Johanneum, an dem auch sein Vater unterrichtete, zur Schule ging.  Mitte des 18. Jh. verfasste er die “Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes”, die er ursprünglich gar nicht veröffentlichen wollte, sondern für sich selbst schrieb. Er befürchtete, mit seinen bibelkritischen Äußerungen u.a. zu übernatürlichen Phänomenen die Leser zu verwirren und zu verärgern. So kam es, dass nach Reimarus‘ Tod Gotthold Ephraim Lessing zwischen 1774 und 1778 mehrere Teile der Apologie als “Fragmente eines Ungenannten” herausgab und damit den Fragmentenstreit auslöste. Es erschienen in den Folgejahren zahlreiche Gegenschriften, die sog. Antifragmente, darunter auch eines vom prostestantischen Theologen Johann Christoph Döderlein, das sich im Bestand des Johanneums befindet. Lessing selbst beteiligte sich ebenfalls mit elf umfangreichen Streitschriften am Fragmentenstreit, die sich speziell gegen den Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze (1717 – 1786) richteten und unter dem Namen „Anti-Goeze“ bekannt wurden.

Fragmente und Antifragmente von J. C. Döderlin (1780)

Fragmente und Antifragmente von J. C. Döderlin (1780)