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Buchkunstbewegung

Im Bestand des Johanneums finden sich auch Zeugnisse der sog. Buchkunstbewegung, die Ende des 19. Jh. einsetzte. Diese Reformbewegung bezeichnet die damals aufkommenden Bestrebungen das Buch künstlerisch zu gestalten und einen qualitativ hochwertigen Gebrauchsgegenstand zu schaffen. Alle gestalterischen Elemente wie Einband, Schrift, Typographie, Buchschmuck und Illustration sollten eine einheitliche Form erkennen lassen.

Die Buchkunstbewegung:

Massenware versus Prachtausgaben

Die Ursache der Buchkunstbewegung lag in der Industrialisierung der Buchherstellung, die billige Massenware für eine breite Bevölkerungsschicht hervorbrachte. Demgegenüber standen die besonders reich und kostbar ausgestatteten Prachtausgaben, die als repräsentative Gegenstände die Bücherregale des gehobenen Bürgertums zierten. Ein schönes Beispiel für eine Prachtausgabe, ist die Jubiläumsausgabe der Gedichte Schillers, die Schüler des Johanneums im Jahre 1865 ihrem damaligen Lehrer schenkten. Das Werk wurde anlässlich des 100. Geburtstag des Dichters vom Cotta`schen Verlag herausgegeben und kostete 43 Taler. Das entsprach unter damaligen Verhältnissen mehr als drei Monatsgehältern eines Angestellten.

Jubiläumsausgabe der Gedichte Schillers. Stuttgart: Cotta`scher Verlag 1859 -1862

Jubiläumsausgabe der Gedichte Schillers. Stuttgart: Cotta`scher Verlag 1859 -1862

Der Einband des Buches ist außerordentlich prächtig gestaltet und besteht aus reliefartig gepresstem Leder. Ein Bronzemedaillon, das Schillers Büste darstellt, sowie vergoldete Ornamente zieren den Einband. Die Ausgabe enthält 43 Zeichnungen bekannter Künstler, die auf photographischem Wege reproduziert wurden. Das entsprach aus damaliger Sicht dem neuesten Stand der Technik.