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Einzelne Werke

Im Zuge der Bestrebungen das Buch künstlerisch zu gestalten, bildete sich der Beruf des Buchkünstlers heraus. Die neue Künstlergruppe konzentrierte sich auf Buchschmuck, Illustrationen, Einbandgestaltung und das Schaffen neuer Schriften. Um sich frei entfalten zu können, gründeten diese häufig sogenannte Privatpressen. So entstanden individuell gestaltete Werke aus besten Materialien, die in kleiner Auflage erschienen. Aber auch Verleger förderten die neue Reformbewegung und beauftragten Künstler mit der Gestaltung von Büchern. Einige Werke, die von renommierten Buchkünstlern dieser Zeit gestaltet wurden, befinden sich im Bestand des Johanneums.

Buchschmuck von Emil Orlik zu „Kokoro“ von Lafcadio Hearn, Frankfurt a. M.: Rütten & Loening, 1905

Buchschmuck von Emil Orlik zu „Kokoro“ von Lafcadio Hearn, Frankfurt a. M.: Rütten & Loening, 1905

„Sewastopol“ von Leo N. Tolstoi

Der erste Verleger, der Bücher im Sinne der Buchkunstbewegung herausbrachte, ist Eugen Diederichs. Dieser gründete 1896 bei einer Reise durch Italien seinen Verlag in Florenz, zog dann nach Leipzig und ließ sich 1904 schließlich in Jena nieder. Mit seinen Veröffentlichungen strebte Diederichs die Erneuerung der Buchgestaltung an. Finanzieller Erfolg blieb dabei nebensächlich. Aus diesem Grund beschäftigte der Verleger zahlreiche junge Künstler der neuen Richtung zur Ausstattung seiner Bücher. Seine Veröffentlichungen dieser Jahre stellten Zeugnissen der modernen Buchentwicklung dar.

In den ersten Jahren wurde ein Großteil der Bücher von dem Buchkünstler Johann Vinzenz Cissarz gestaltet, der auch mit dem Verleger befreundet war. Ein Beispiel seiner Arbeit ist eine Ausgabe von Tolstois „Sewastopol“, die bei Diederichs im Jahre 1901 erschienen ist. Cissarz zeichnete hier den aus stilisierten pflanzlichen Formen gebildeten Buchschmuck und gestaltete den Einband. Auch das Verlagssignet, das der „Marzocco“ bildet, wurde von dem Künstler im Jahre 1899 neu entworfen. Das 1416 von dem Bildhauer Donatello geschaffene Löwenwappen von Florenz drückt die Verbundenheit mit dem Zeitalter der Renaissance aus.

Titelseite mit Buchschmuck von Johann Vinzenz Cissarz zu Tolstois „Sewastopol“, Jena: Diederichs 1901.

Titelseite mit Buchschmuck von Johann Vinzenz Cissarz zu Tolstois „Sewastopol“, Jena: Diederichs 1901.

„Reise nach Italien“ von Hippolyte Taine

Auch die Ausgabe der „Reise nach Italien“ von Hippolyte Taine, die 1904 bei Diederichs erschienen ist, wurde nach der neuen Buchkultur gestaltet. Der doppelseitige Titel wurde von dem Buchkünstler und Typographen Walter Tiemann gestaltet. Die in Rot und Schwarz gehaltenen Versalien sind von einem kräftigen Rahmen umgeben, in dem die Ranken einer stilisierten Pflanze zu erkennen sind.

Doppeltitelei von Walter Tiemann zu Hippolyte Taine`s „Reise nach Italien“. Jena: Diederichs 1904

Doppeltitelei von Walter Tiemann zu Hippolyte Taine`s „Reise nach Italien“. Jena: Diederichs 1904

Der in Leipzig lebende Buchkünstler Walter Tiemann lehrte seit 1903 an der Leipziger Akademie, deren Direktor er 1920 wurde. Zunächst vorwiegend als Illustrator tätig, wurde sein Stil durch die florale Jugendstilornamentik gekennzeichnet. Ab 1902 konzentrierte er sich auf die rein typographische Buchgestaltung. 1907 gründete er mit dem Drucker Carl Ernst Poeschel die Janus-Presse, eine der ersten Privatpressen in Deutschland.


„Das Wesen der Kunst“ von Konrad Lange

Ein weiteres Zeugnis der deutschen Buchkunstbewegung ist das zweibändige Werk „Das Wesen der Kunst“ von Konrad Lange, erschienen 1907 bei der G. Groteschen Verlagsbuchhandlung Berlin. Der Einband, das Vorsatzpapier und die Titelseite wurden von Bernhard Pankok in einer einheitlichen Konzeption entworfen. Das florale Ornament mit Vogeldarstellungen schmückt sowohl den Einband als auch die Titelseite. In dessen Mitte ist das verschlungene Monogramm „BP“ des Künstlers erkennbar.

Titelseite von Bernhard Pankok zu Konrad Langes „Das Wesen der Kunst“. Berlin: G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, 1907

Titelseite von Bernhard Pankok zu Konrad Langes „Das Wesen der Kunst“. Berlin: G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, 1907

Bernhard Pankok beeinflusste mit seinen Formenschöpfungen viele Bereiche des Kunstgewerbes. Ein besonderer Schwerpunkt seines Tätigkeitsfeldes lag in der Gestaltung von Innenräumen. Als Buchkünstler trat er mit Illustrationen in der Zeitschrift „Pan“ (1896) und der Münchner „Jugend“ (1898) das erste Mal in Erscheinung. Aufgrund seines Ansehens wurde er 1900 mit der Gestaltung des Katalogs der Pariser Weltausstellung beauftragt.