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Vorläufer

William Morris und die Kelmscott Press

Ihren Ursprung hatte die Buchkunstbewegung in England und wurde von dem Dichter und Kunsthandwerker William Morris initiiert. 1891 gründete er die Kelmscott Press, um qualitativ hochwertige Bücher in reiner Handarbeit herzustellen. Alle Werke wurden mit aufwendigen Holzschnitten ausgestattet, die an den gotischen Stil angelehnt waren. Auch wenn die Produkte der Kelmscott Press weit über England hinaus großes Aufsehen erregten, so entsprach doch Morris Werk nicht den Bedürfnissen der Zeit. Die technisch rückwärtsgewandte Herstellungsweise war viel zu kostspielig, um den stark anwachsenden Bedarf nach Büchern einer immer breiter werdenden Bildungsschicht zu decken. Man musste daher zwischen moderner Technik und Buchkunst eine Verbindung schaffen. Dieses Ziel wurde vor allem von den englischen Verlagen angestrebt.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Verknüpfung von sorgfältiger Buchgestaltung und maschineller Herstellung findet man bei den Publikationen von Dent & Sons. Der Verlag wurde 1888 von Joseph Malaby Dent im Zuge der Buchkunstbewegung gegründet. In der Bibliothek des Johanneums gibt es einige Exemplare der Reihe „Everyman`s Library“, die in Zusammenwirkung mit dem New Yorker Verlag E. P. Dutton & Co seit 1904 erschienen sind. Gemäß den gestalterischen Ideen von William Morris wurde die ganze Reihe mit einer doppelseitigen Holzschnitt-Titelei mit aufwendigem Ornamentrahmen ausgestattet.

Doppeltitelei von Reginald Knowles zu Sir Walter Scotts „Redgauntlet“, Dent & Sons, London, und Dutton & Co., New York

Doppeltitelei von Reginald Knowles zu Sir Walter Scotts „Redgauntlet“, Dent & Sons, London, und Dutton & Co., New York

Münchner Renaissance und Jugendstilbuchkunst

Auch in Deutschland versuchte man dem durch die Industrialisierung herbeigeführten Qualitätsverlust in der Buchherstellung mit handwerklichen Leistungen zu begegnen. Um 1870 fand sich in München eine Gruppe von Künstlern zusammen, die den Stil der sogenannten Münchner Renaissance prägten. Diese Reformbewegung ließ Bücher im Stil der alten Meister entstehen und knüpfte damit wieder an die Anfangszeit des Buchdrucks an. Eine Erneuerung der Buchkunst durch die Schaffung eines eigenen Stils wurde allerdings erst in den 90er Jahren herbeigeführt.

Zu den Förderern der deutschen Buchkunstbewegung zählten Schriftsteller und Dichter, aber auch zahlreiche junge Künstler, die sich auf das Schaffen neuer Schriften und Buchschmuck spezialisiert hatten. Aufgeschlossene Verleger und neu gegründete Pressen halfen bei der Realisierung des Ziels, dem Buch in seiner Gestaltung ein neues Gesicht zu geben. Zeitschriften boten den Künstlern ein wichtiges Forum, da sie die neuen bildlichen und typographischen Formen verbreiteten.

Der Jugendstil, der sich zu dieser Zeit entwickelte und alle Bereiche des Kunsthandwerks beeinflusste, prägte als Kunststil die Anfänge der Buchkunstbewegung in Deutschland. Benannt wurde der Jugendstil nach der Zeitschrift „Jugend“, die 1896 von einer Künstlergruppe in München gegründet wurde. Man versuchte völlig neue Wege in der Buchgestaltung zu finden und wandte sich gegen den Historismus, der die mit Schmuck und Illustrationen überladenen Prachtausgaben hervorgebracht hatte. Asymmetrische Formen und organisch anmutende Ornamente zierten nun Bucheinbände, Titelblätter und Beiträge in Zeitschriften.